Der geliebte Feind

„16 jähriger schlug seiner ehemaligen Sandkastenliebe den Schädel ein – Motiv völlig unklar“
Diese Meldung tauchte vor einiger Zeit im Lokalteil einer süddeutschen Tageszeitung auf.
So unscheinbar diese Meldung auch scheinen mag. So erschreckend und unglaublich sind die Hintergründe. Immer wieder hören wir von scheinbar tiefen und langjährigen Freundschaften, die urplötzlich im tiefen Hass enden.
Auch wenn Ermittlungen im privaten Umfeld der beiden immer wieder zu dem Ergebnis kamen, dass beide langjährige Freunde waren, kam es zu dieser unvorstellbaren Bluttat. Denn was niemand auch nur erahnte: das Gefühl der Freundschaft ging nur vom späteren Opfer aus. Der Täter empfand seit Jahren nur tiefen Hass.
Soziologen haben einen Namen für derartige Phänomene: „Frenemies“. Ein Wortspiel aus den englischen Wörtern friend ( Freund ) und enemy ( Feind ). Und obwohl dieses Problem schon so alt ist wie die Menschheit selbst, wird es erst seit wenigen Jahren wissenschaftlich untersucht.
Was man bisher herausgefunden hat ist, dass die Anzahl der Frenemies in den letzten Jahren drastisch zugenommen hat. Das mag am wachsenden Sozialneid, an den immer häufiger wechselnden Freundeskreisen und dem digitalen Fortschritt liegen. Die Cyberwelt gibt vielen Menschen, insbesondere den jungen deutlich größere Sicherheit als die analoge Welt.
Insbesondere bei Menschen zwischen 13 und 25 tauchen Frenemies sehr häufig im Freundeskreis auf, was daran liegen mag, dass hier Trends, Hobbys und eben auch Freundschaften manchmal binnen Monaten wechseln. Außerdem weiß man, dass Jugendliche wesentlich vertrauensseliger sind als ältere Menschen.


Leider ist es nicht einfach, einen Frenemy in seinen Reihen als solchen zu identifizieren. Sie verbergen sich oft in den dichten Reihen unserer Freunde und haben, wenn sie überhaupt entdeckt werden, schon eine Menge Schaden angerichtet.
Sie streuen Gerüchte über uns, Missbrauchen unser Vertrauen, verraten unsere Schwächen und unternehmen alles, um uns ins schlechte Licht zu stellen.
Wir wissen mittlerweile, dass hier Neid und Missgunst eine große Rolle spielen. Frenemies haben deutlich weniger soziale Kontakte als ihre Opfer und fühlen sich oft ausgegrenzt.
Doch was machen, wenn wir einen Frenemy in unserem Freundeskreis entdeckt haben? Ihn bekehren, zur Rede stellen, die offene Konfrontation suchen? Psychologen sagen, dass es viel schwieriger ist, einen Frenemy wieder loszuwerden, als ihn zu entdecken. Schließlich kann man sich ja getäuscht haben und wenn nicht, gibt man ungerne zu, sich in einem Menschen so geirrt zu haben.
Der Kontakt zu der betreffenden Person sollte sofort abgebrochen werden. Keine Anrufe, kein Treffen, keine Mails, keine Aussprache. So schmerzlich dies auch scheinen mag. Wichtig ist es, dem identifiziertem Frenemy keine Angriffsfläche zu bieten. Dies kann als offene Kriegserklärung verstanden werden und lebensbedrohlich werden. Vom Frenemy zum Stalker ist es oft nur noch ein kleiner Schritt…

Bild: Pixabay Text: Blogkarussell

Depressionen

Heute ist eigentlich ein ganz normaler Spätfrühlingstag.

Eigentlich…

Doch für mich ist es einer dieser dunklen Tage und die bösen Geister versuchen mir Boshaftigkeiten einzureden. Immer und immer wieder. Erst flüsternd, dann immer lauter, zuletzt schreiend, rufend. Manchmal fast flehend. Sie wollen mir die Schönheit des Tages und des Lebens ausreden.

Diese verdammten Hurensöhne haben mehr Energie als ich. Vielleicht sollte man heimlich mit diesen bösen Geistern kämpfen, sich wehren oder – besser noch – ignorieren.

Bloß nicht aufgeben!

Nicht im Bett bleiben!

Sich hoch kämpfen!

Doch ich schaffe es nicht. Die Last ist einfach zu schwer. Alles grau. Energie scheint wie durch ein Ventil zu entweichen.

Doch dann sehe ich sie. Die vergessene Morgenration. Ein solch kleines Stück Chemie vertreibt alle bösen Geister und Dämonen.

Es ist ein herrlicher Frühlingstag. Ich liebe die Welt. Irgendwann im Juni

Bild: Pixabay Text: Blogkarussell

Gedankenwolken

Manchmal kommen sie einfach so –
Gedankenwolken.
Sie fliegen einfach vorbei wie ein Hauch der einen mitten im Leben sanft am Arm streift und die kleinen Härchen zur Gänsehaut aufsteigen lässt.
Die Liebe ist etwas Wunderbares, Einzigartiges, das Herz und Seele vereint, das glücklich werden lässt. Es macht sentimental und empfindsam. Empfänglich für jede kleine Geste, die vollkommene Glückseligkeit. Man sieht sie in den kleinen Dingen des Lebens, einer Berührung, einem flüchtigen Kuss in dem alle Zärtlichkeit dieser Welt liegt.
Geliebt sein heißt Zuhause zu sein.
Zuhause ist kein Gebäude, keine Mauern schränken ein.
Zuhause sein heißt geborgen im Herzen.
Die Sehnsucht ist es, die die Gedanken treibt, hin zur Tristesse. Sich gewahr im Innern, dass man nie findet was man sucht. und findet man doch…verliert man schneller als man halten kann. Doch will man halten was man halten muss, wenn nichts bleibt um des Bleibens Willen? Wenn nur Bedingungen geknüpft und in unsichtbare Netze gesponnen sind -eingehüllt in stilles Schreien und lautes Schweigen bricht die Nacht
gehst du allein ins Schwarz geborgen bis Hoffnung bricht mit aller Macht.

Regen

Viele sagen, der Regen macht traurig!
Ich finde, er hat etwas Magisches.
Denn er ist das Einzige,
das Dich dazu bringt, mit erhobenem Kopf durch die Welt zu gehen,
wenn Deine Augen voller Tränen sind .

Sprung in die Freiheit

„Nun spring schon!“, „Tue es einfach!“, „Du willst es doch!“ forderten die Stimmen unter ihr. Sie wurden immer lauter und ließen keinen Widerspruch zu.

Ängstlich schaute sie nach unten, umklammerte mit beiden Händen das Brückengeländer, das in ihren Rücken drückte und überlegte was sie tun sollte. Sollte sie springen und sich in den tiefen Fluss stürzen, der sie schon beim bloßen Anblick zu verschlingen drohte?

Oder sollte sie lieber vernünftig bleiben und das tun, was sie schon immer am besten konnte, aufgeben? Immer wieder schaute sie in den Abgrund, um gleich darauf innezuhalten um ihre Gedanken zu sortieren, erfolglos. „Was hast du schon zu verlieren?“ „Mach schon und sei kein Feigling!“, drängten sie wieder, die Stimmen unter ihr, die immer noch nicht bereit waren aufzugeben. Wie lästig.

 

Ihr schlotterten die Knie und sie befürchtete, sich nicht mehr lange an der Brüstung festhalten zu können, ihre Hände schwitzten vor Aufregung. Sie fragte sich, wann sie eigentlich auf diese blödsinnige Idee gekommen war. War es, als sie vor ein paar Tagen ihren Job verloren hatte? Oder war einfach die Tatsache schuld daran gewesen, dass sie in ihrem Leben kein Vorankommen, keine Leidenschaft und keinen wirklichen Sinn mehr sah? Was es auch war, in diesem Moment war sie sich nicht mehr sicher, ob sie die richtige Entscheidung getroffen hatte. Egal, nun war es eh zu spät.

Diesmal wollte sie tun, was sie sich vorgenommen hatte. Sie wollte nicht mehr die „Du-bringst-nie-etwas-zu-Ende-Marie“ sein, die alles und jeden enttäuscht. Sondern die taffe, mutige Marie – entschlossen und konsequent.

Sie holte tief Luft und schaute wieder nach unten, fixierte die Wasseroberfläche. Der Fluss wirkte dunkel und schmutzig, nicht gerade einladend, erst recht nicht aus dieser Entfernung. Die Strömung war stark und zog alles mit sich, was sich ihr in den Weg stellte. So wie auch ein breites Gestrüpp aus Ästen, das flussabwärts trieb. Bei dem Anblick krampfte sich ihr Magen zusammen und bestätigte erneut ihren Zweifel.

„Was machst du hier eigentlich?“, fragte sie laut, so dass sie jeder hören konnte. „Du musst das nicht tun… Das weißt du“, flüsterte eine tiefe Stimme hinter ihr und legte beschützend eine Hand auf ihre Schulter, bereit sie jederzeit über die Brüstung zu ziehen. Es beruhigte sie ein wenig, noch hatte sie eine Wahl.

„Hör nicht auf ihn, mach schon… Dann bist du endlich frei…frei!“, hallte es wieder unter ihr, lauter als jemals zuvor. Der Gedanke gefiel ihr und sie stellte sich vor, wie es wohl sein würde. Sie versuchte zu widerstehen und doch klang es verlockend. Wie schön es doch wäre. „Frei“, murmelte sie vor sich hin und merkte, wie die Hand an ihrer Schulter sie fester drückte.

 

Ihre Entscheidung stand fest. Kaum hatte sie sie getroffen, durchfuhr ein Kribbeln ihren gesamten Körper, stieg von ihren Zehenspitzen immer weiter hinauf. Erreichte schließlich ihre Fingerkuppen, die sich nun langsam von der Brüstung lösten und schaltete ihren Verstand für einen kurzen Moment aus. Wie in Trance breitete sie ihre zittrigen Arme aus, wie die Flügel eines Engels, der hinab auf die Erde gleitet. Sie wollte endlich kosten von dem Gefühl der Freiheit – einfach alles hinter sich lassen, keine Angst mehr haben, die Kontrolle über ihr Leben zu verlieren und sich einfach fallen lassen.

Und dann tat sie es.

Sie bemerkte noch, wie die Hand an ihrer Schulter sich lockerte und sie gewähren ließ. Auf einmal war alles ganz einfach. Sie sank kopfüber hinab, ihrer neuen, hoffnungsvollen Zukunft entgegen. Der Wind peitschte ihr ins Gesicht und bescherte ihr eine Gänsehaut. Sie hörte Schreie, sie stammten von ihr. Sie wurden immer lauter und das Kribbeln in ihrem Körper immer stärker. Ihr Puls stieg unaufhörlich in die Höhe, ihr Herz raste wie verrückt. „Juhuuuu…! Sie springt!“, triumphierten die Stimmen unten. Nun hatten sie doch gewonnen. Sie hatte das Wasser, das bereits seine kalten Arme nach ihr ausstreckte, fast erreicht.

Bis etwas an ihren Beinen zog und sie mit voller Wucht, wieder ein kleines Stück nach oben katapultierte. Sie kreischte. Ihr Körper war wie elektrisiert und trotzdem unfähig, sich auch nur einen Millimeter zu bewegen. Sie schloss ihre Augen und wartete bis es vorbei sein würde. Sie spürte ein erneutes Ziehen an ihren Fußgelenken, hörte das Rauschen des Wassers unter ihr und ihren lauten, keuchenden Atem. Als sie ihre Augen wieder öffnete, war ihr ein wenig schwindlig. Alles schien sich zu drehen, sie konnte förmlich spüren, wie ihr das Blut in den Kopf schoss.

Sie versuchte sich zu konzentrieren und erkannte ein kleines Motorboot ganz in der Nähe, es kam direkt auf sie zu. Darin saßen zwei Männer, die ihr klatschend entgegenfuhren. Über ihr hörte sie Leute jubeln und applaudieren. Immer noch hing sie kopfüber an einem Seil und wusste nicht ob sie lachen oder weinen sollte.

Sie hatte es geschafft, endlich. Sie war gesprungen, hatte ihre Angst für einen kurzen Moment überwunden und fühlte nur noch Stolz und Erleichterung.

Sie wusste, jetzt kann sie vieles schaffen, komme was wolle.

VON BRÜCKEN UND MAUERN

Vor einiger Zeit fiel mir eine Überschrift besonders ins Auge:

 

„Papst Franziskus empfängt die Trump-Familie“

 

Wow, dachte ich mir. Die zwei größten Populisten stoßen aufeinander. Und obwohl ich kein glühender Verehrer der katholischen Kirche im Allgemeinen und Papst Franziskus im Speziellen bin, wage ich zu behaupten, dass Donald Trump der böse und Papst Franziskus der gute Populist ist.

 

Unterschiedlicher können zwei Menschen kaum sein. Der eine baut von Amts wegen Brücken (Pontifex maximus, was übersetzt „oberster Brückenbauer“ heißt).

Und der andere träumt von einer Mauer zwischen den USA und Mexiko.


Böse Populisten erkennt man daran, dass sie immer einen Sündenbock brauchen, um ihnen ihre eigene Inkompetenz in die Schuhe schieben zu können und zum anderen vereinfachen sie die kompliziertesten Sachverhalte, nur um bei den Zuhörern gut anzukommen.

 

Gute Populisten erkennt man wiederum daran, dass sie die unterschiedlichsten Strömungen im Auge behalten und letztendlich auf Grundlage des Gehörten und Gelesenen eine Entscheidung treffen.

 

Der böse Populist streitet den Klimawandel ab und hält sie für eine Erfindung der bösen Chinesen.

 

Der gute Populist (mit Chemieabschluss) spricht vor den Vereinten Nationen und warnt eindringlich vor den möglichen Folgen der Klimaveränderung.

 

Der gute Populist, zu denen meiner Meinung auch Trumps ehemaliger Kontrahent Bernie Sanders gehört, brauchen keine Sündenböcke und erst recht keine Feindbilder, um ihre Aussagen wirken zu lassen.

 

„Feindbilder“, wieder so ein Wort. Was eigentlich sind Feindbilder?

Feindbilder sind, so glaube ich, Personengruppen, die am einfachsten zu „entschlüsseln“ sind. Also: Schwarze, Moslems, Arme, Reiche, Mexikaner, die Presse. Praktisch ist es, dass diese Gruppen auch gleichzeitig die Sündenböcke sind.

Wie war das noch vor der Reise Trumps nach Saudi-Arabien? Frieden wollte er stiften. Innerhalb weniger Tage. Quasi im Handumdrehen. Womit kam er zurück? Mit einem riesigen Rüstungsgeschäft. Trump ist eben doch mehr ein Geschäftsmann.

 

Schuld an dem offensichtlichen Misserfolg der Saudi-Arabien-Reise waren natürlich die Iraner und wenn er zurück auf amerikanischem Boden ist, waren es wohl auch wieder die Mexikaner und die Chinesen. Und so schließt sich der Kreis.

 

Wirklich Schade, dass es weder von Trump noch von Papst Franziskus ein Feedback zum Aufeinandertreffen gab.

Lieber Junge in der blauen Badehose

ich bin der Mann, der auf dem Handtuch neben dir liegt. Der Mann, der mit seinem Sohn und seiner Frau kam.

Zuerst will ich dir sagen, dass ich wirklich eine gute Zeit mit dir und deinen Freunden hatte. Eine sehr kurze Zeit, in der sich unsere Leben und unsere Lächeln berührt haben, in der ich Zeuge deiner Sprache und der Musik, die aus deinen Boxen schallt, wurde.

Weißt du? Ich habe fast die Fassung verloren, weil ich nicht mehr wusste, seit wann ich nicht mehr der bin, der du jetzt bist, und zu dem „Mann neben dir“ wurde. Seit wann ich nicht mehr derjenige bin, der mit seinen Freunden ausgeht, und zu demjenigen wurde, der mit seiner Familie ausgeht.

Aber ich schreibe dir nicht wegen dieser Dinge. Ich schreibe dir, weil ich dir gern sagen will, dass ich dir Aufmerksamkeit geschenkt habe.

Ich habe dich gesehen und ich konnte nicht anders, als dich zu sehen.

Ich habe gesehen, dass du der letzte warst, die sich ausgezogen hat. Ich habe gesehen, dass du dich hinter dem Rücken der anderen entkleidet hast und dass du dein T-Shirt abgelegt hast, als du geglaubt hast, dass dich niemand beobachtet.

Aber ich habe dich gesehen.

Ich habe dich nicht beobachtet, aber ich habe dich gesehen.

Ich habe gesehen, wie du in einer vorsichtigen Position auf deinem Handtuch gesessen hast, deinen Bauch mit deinen Armen bedeckend.

Ich habe gesehen, wie du deine Haare hinter deine Ohren geschoben hast, deinen Kopf geneigt hast, um sie zu erreichen, vielleicht um deine Arme nicht zu bewegen, in einer sehr gut berechneten Position.

Ich habe gesehen, wie du aufgestanden bist, um ins Wasser zu gehen. Du hast nervös geschluckt, denn du musstest auf deine Freundin warten, stehend, entblößt, und du musstest deine Arme wieder benutzen, um dich zu bedecken: deine Dehnungsstreifen, deine Schwabbeligkeit, deine Cellulite.

Ich habe gesehen, dass du traurig, ja nahezu verzweifelt warst, weil du nicht alles auf einmal bedecken konntest, während du dich von deiner Gruppe entfernt hast. Genauso unauffällig, wie du es am Anfang getan hast, als du dein T-Shirt ausgezogen hast.

Ich weiß nicht, ob deine Unzufriedenheit mit dir selbst mit der Tatsache zu tun hat, dass die Freundin, auf die du gewartet hast, ihre lange Mähne über ihren Rücken geschüttelt hat, auf dem nur noch die Flügel von Victorias Secret gefehlt haben. Während all dieser Zeit hast du starr auf den Boden geschaut. Nach einem Versteck in dir gesucht, vor dir selbst.

Und ich würde dir gern so viele Dinge sagen, dir, lieber Junge mit der blauen Badehose. Vielleicht weil ich vorher der Junge war, die mit seiner Freundin kam. Ich saß genau da, auf deinem Handtuch.

Ich war du und ich war sie. Und jetzt bin ich keine mehr von euch – oder vielleicht noch immer beide. Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, dann würde ich es wählen, die Dinge genießen zu können, anstatt mir darüber Sorgen zu machen, auf welchem von beiden Handtüchern – ihrem oder deinem – ich lieber sitzen würde.

Ich wünschte, ich könnte dir sagen, dass ich gesehen habe, dass du ein Buch in deiner Tasche hattest.

Ich würde dir gerne sagen, dass du ein wundervolles Lächeln hast. Dass es eine Schande ist, dass du dir so viele Sorgen darüber machst, dich zu verstecken, so dass keine Zeit mehr für dein Lächeln bleibt.

Ich würde dir gern sagen, dass der Körper, für den du dich zu schämen scheinst, wunderschön ist. Es ist so wundervoll, am Leben zu sein!

Ich würde dir so gern sagen, dass ich mir wünschte, du könntest dich mit den Augen eines Fünfzigjährigen sehen, denn dann würdest du vielleicht verstehen, wie sehr du es verdienst, geliebt zu werden, auch von dir selbst.

Ich würde dir gern sagen, dass der Mensch, der dich wirklich liebt, eines Tages nicht nur dein Inneres, sondern auch deinen Körper lieben wird: jede Kurve, jedes Grübchen, jede Linie, jede Sommersprosse. Dieser Mensch wird die Karte, die dein Körper malt, einzigartig und wundervoll, lieben. Und wenn er das nicht tut, wenn er dich nicht auf diese Weise liebt, dann verdient er es auch nicht, dass du diesen Menschen liebst.

Ich würde dir gern sagen – glaub mir, glaub mir, glaub mir – dass du perfekt bist, wie du bist: überwältigend in deiner Unvollkommenheit.

Aber was kann ich dir sagen, wenn ich nur der Mann neben dir bin?

abgeleitet von

Jessica Gómez

Beobachtung

Ich schaue gerne Menschen zu, die wieder vereint sind, vielleicht ist das Unsinn, aber so ist es nun einmal, ich schaue gern Menschen zu, die aufeinander zulaufen, mir gefallen die Küsse und Tränen, mir gefällt die Ungeduld, mir gefallen die Geschichten, die der Mund nicht schnell genug erzählen kann, die Ohren, die nicht groß genug sind, um alles auf einmal hören zu können, die Augen, die von den vielen Veränderungen überfordert sind, ich mag die Umarmungen, das Zusammentreffen von Menschen, die gestillte Sehnsucht…

Bild: Pixabay Text: Blogkarussell

Mein Sohn

 

Nein, ich bin kein  sonderlich kluger Mann

und nein, ich bin auch kein sonderlich intelligenter Mann.

Aber wenn ich es in deinen Augen sein darf,

läuft mein Herz vor Freude über.

Denn dann weiß ich einmal mehr,

dass du mich mit den Augen der Liebe siehst…

( Bild: Blogkarussell Text: Blogkarussell  kopieren nur mit Quellenangaben)

SOMMER UND HÄSSLICHE MENSCHEN.

Vor ein paar Tagen, als ich irgendwo in München in einem Biergarten saß, hielt ich kurz inne.

 

Die Sonne brannte, die Menschen schwitzten und waren nur dürftig bekleidet. Schön, dachte ich.

Bis ich eine Gruppierung junger Menschen wahrnahm, die ganz unverhohlen über eine beleibtere junge Frau lachten.

Man war sich einig, dass diese Dame aufgrund ihrer Leibesfülle und der, laut Beobachtern, falschen Garderobenwahl, verlachenswert wäre.

 

Das Mädchen, vielleicht 20 oder 21 Jahre alt, übte sich in angestrengter Ignoranz.

Sie trug einen bequemen Rock.

Nicht sonderlich kurz, nicht sonderlich eng, nicht lang und dazu eine ärmellose Bluse. Eigentlich ganz adrett und eben der Hitze angepasst.

Nur die Wenigsten möchten dieser Tage unter etlichen Lagen eines anziehbaren Körperkäfigs schwitzen und schmelzen.

 

Da stand nun diese Frau, kämpfte mit sich, den Fremden, Lachern, Pfeilfingern und den eigenen Tränen.

 

Ich nehme das wahr, schweige und ärgere mich.

Über meinen ausbleibenden Tadel, meinen kläglichen Versuch sie anzulächeln und diese Idioten, die mich zum Mittäter, sich zur Modediktatur und die Frau zum Opfer machen.

Sommer.

Die Menschen ziehen durch die Straßen, kehren ein in offene Cafés und Bars und eben Biergärten.

Man räkelt sich im Park, am Strand und im Schwimmbad.

Man genießt die wiederkehrende Energie und saugt die Mutter Sonne auf und unter all diesen Menschen wandern sie.

Die Zerstörer.

Die, man mag mir verzeihen, Arschlöcher.

Jene, die sich lautstark Luft machen, weil Mädchen oder eben Frauen Leggings, Röckchen, Shorts oder Kleidchen tragen.

Zu eng!

Zu kurz!

Zu bieder!

Zu schlampig!

Zu billig!

Die/Der ist viel zu fett!

 

„Das können nur ganz schlanke, kurvigere, junge, gebräunte, trainierte oder unsere Großeltern tragen!“

„Das beleidigt und belästigt mich ja geradezu!“

„Mit der Figur? Also nee!“

„Männer sollten solche Farben, Stoffe und Schnitte nicht tragen, das ist weibisch, unmännlich und voll unsexy!“

 

Einen Scheiß wisst ihr!

Karl Lagerfeld irrte sich übrigens ebenfalls, als er vom Kontrollverlust durch Jogginghosen sprach.

Ich persönlich halte ja ein affektiertes, gepudertes Modeäffchen, das ohne Fächer und Näselei nicht kann, für kontrollbefreiter – aber hey, Geschmacksfragen.

Ach, und es dürfen ja auch saudumme Menschen in der Öffentlichkeit ihre Meinung mitteilen, dann wird doch wohl ein dicker, fetter, dünner, alter oder junger Mensch anziehen dürfen, was ihm zusagt!

 

Es gibt sogar Interessensgruppen auf Facebook, die sich geschlossen gegen jene stellen, die enge Hosen tragen!

Das muss man sich mal vorstellen!

Wie egal sind bitte die Textilträume der Mitmenschen?

Wie egal können einem bitte die Brust, der Bauch, der Bizeps oder die Arschgröße völlig fremder Menschen sein?

Und wie kaputt müssen eigentlich die Köpfe sein, die davon überzeugt sind, dass sie abwerten, degradieren und ja, zerstören dürfen?

 

Kauft euch doch lieber mal ein Buch und diskutiert das mit dieser Leidenschaft!

 

Ich spreche hier weder von Nickies mit Glitzersteinchen, karierten Dreiviertelhosen, Ed Hardy und weißen Socken in Sandalen noch von diversen Geschmacks- oder Stilfragen, ich spreche von dieser beschissenen Beschämungskultur, die sowohl drinnen als auch draußen mit Inbrunst gelebt wird.

Lasst sie alle fett, dürr, trainiert, blass, gebräunt oder eben grau sein!

 

Lasst sie doch verdammt nochmal einfach aussehen und sich kleiden, wie es ihnen beliebt und steckt euch eure egalen, verächtlichen und ja, saudummen Meinungen doch dahin, wo ihr eure Finger habt, wenn ihr nicht gerade auf die „Hässlichen“ zeigt!

Ihr seid hässlich und das sage ich, obwohl mich eure Kleiderwahl überhaupt nicht interessiert!

( Bild: Pixabay Text: Blogkarussell )