Glück

Vielleicht sollten wir manchmal einfach das tun, was uns glücklich macht und nicht das , was am Besten ist! Vielleicht sollten wir manchmal einfach das tun, wonach uns ist und nicht das, was andere von uns erwarten! Vielleicht sollten wir manchmal einfach das tun was unser Gefühl uns sagt und nicht das, was für die Gefühle der anderen das Beste ist. Vergangenheit ist Geschichte, die Zukunft ein Geheimnis und jeder Augenblick ein Geschenk

( Bild: Pixabay)

Verloren

Jeder von uns fühlte sich in seinem Leben schon einmal verloren. Immer dann, wenn wir den Halt verlieren. Wenn niemand da ist, der uns stützt. Wenn unsere Hand, die nach Hilfe sucht ins Leere greift. Oftmals sind es die großen Schicksalsschläge die uns so verloren machen. Tod, Krankheit, Trennung, Schulden oder der Verlust des Arbeitsplatzes.

Und dann war da gestern diese junge Frau. Ihr erster Arbeitstag an der Kasse im Rasthof irgendwo kurz vor Hamburg.

Sie: viel zu aufgeregt,
die Kasse: viel zu kompliziert,
die Schlange mit hungrigen und ungeduldigen Menschen: viel zu lang.

Und plötzlich fühlte sie sich verloren.
Auch ohne Tod, ohne Krankheit.

Ich meine, niemand sollte diese Situation belächeln denn dieses Gefühl dieser jungen Frau war ehrlich und authentisch.

Als ich sie so sah, vielen mir Worte von Demokrit ein:

„Das Glück wohnt nicht im Besitze
und nicht im Golde. Das Glücksgefühl ist
in der Seele zu Hause. „
Und ich ergänze: „ das Unglück auch“

( Bild: Pixabay Text: Blogkarussell)

 

Naturkräfte

Die Menschen haben es jetzt in der Beherrschung der Naturkräfte so weit gebracht, daß sie es mit deren Hilfe leicht haben, einander bis auf den letzten Mann auszurotten. Sie wissen das – daher ein gut Stück ihrer gegenwärtigen Unruhe, ihres Unglücks, ihrer Angststimmung. Und nun ist zu erwarten, daß die andere der beiden „himmlischen Mächte“, der ewige Eros. eine Anstrengung machen wird, um sich im Kampf mit seinem ebenso unsterblichen Gegner zu behaupten.

Bild: Pixabay Text: Siegmund Freud Teilen und kopieren nur mit Quellenangaben)

Lernen

Laut einer Studie, welche die Kultusministerkonferenz in Auftrag gegeben hat, schneiden die Viertklässler in NRW sehr schlecht ab. Da werde ich natürlich als Vater eines Erstklässlers hellhörig.

Insgesamt beobachte ich einen Trend dazu, das alles möglichst leicht sein muss. Aber leider ist Lernen Arbeit. Vor lauter Begeisterung für die Digitalisierung wird vergessen, dass man Vokabeln einfach lernen muss, egal ob vom Tablet oder aus dem Buch. Mathematik ist ganz viel Übung. Ein Youtube-Filmchen über den Satz des Pythagoras hilft mir nichts, wenn ich nicht mal ein paar Aufgaben mit Dreiecken übe. Vielleicht sind auch Eltern nicht mehr so hinter den Hausaufgaben her, wie zu meiner Zeit. Schüler alleine, ohne ein bisschen Druck haben meist keine Lust Rechenaufgaben zu lösen.
Dazu braucht es auch Durchhaltevermögen, dass im Zeitalter des Zappens und des ständigen Wechsels von Facebook zu Twitter womöglich nicht mehr jeder aufbringt.
Die Migration spielt sicher eine Rolle, weil Sprache die Grundlage für alle Fächer ist. Nicht nur für die Rechtschreibung, sondern auch eine Mathematik- oder Geschichtsbuch muss ich verstehen. Aber die Lesekompetenz ist ja konstant. Das erstaunt mich

Edelsteine

In einem Juwelierladen konnten zwei Freunde
sich nicht satt genug an den Edelsteinen
sehen. Sie staunten über die Vielfalt der
Steine, über ihr Leuchten und Glitzern.
Plötzlich aber stutzten sie. Vor ihnen lag
ein gewöhnlicher Stein, matt und ohne Glanz.
„Wie kommt denn der hierher?“ Diese
Frage hörte der Juwelier und mußte lächeln.
Er sagte zu dem einen der beiden Freunde:
„Nehmen Sie diesen Stein ein paar
Augenblicke in Ihre Hand.“ Als er später
die Handflächen öffnete, strahlte der vorher
glanzlose Stein in herrlichen Farben.

„Wie ist das möglich?“ Der Fachmann
wußte die Antwort: „Das ist ein Opal. Er
braucht nur die Berührung einer warmen Hand
und schon zeigt er seine Farben und seinen
Glanz. Er enthält alle notwendigen Elemente
des Lebens in sich: Wasser, Licht, Luft und
Wärme. In der Wärme entzündet er leise und
lautlos sein Licht. Der Opal ist ein tiefes
Symbol für alles Gutsein und für alles Zarte
in unserem Leben. Es gibt so viele Menschen
auf der Erde, arm und reich, klein und groß,
gebildet und einfach, die alle nur der
Berührung einer warmen Hand, eines lieben
Wortes, einer kleinen Zärtlichkeit, einer
helfenden Tat bedürfen, um aufzustrahlen im
Licht der Freundlichkeit, um das Wunder der
Zuneigung zu erfahren, um hell zu werden im
Glanz einer leisen Begegnung.“

Neid

Der Neid kann sich nicht verbergen. Er klagt an und verurteilt, ohne Beweise zu haben; er übertreibt die Fehler; er hat maßlose Namen für die geringsten Irrtümer, und seine Sprache ist voll Bitterkeit, Übertreibung und Mißgunst. Mit unerbittlichem Haß und rasender Wut stürzt er sich auf jedes wirkliche Verdienst; er ist blind, jähzornig, gefühllos, brutal.

( Bild: Pixabay Text: Luc de Clapiers Vauvenargues )

Danke

Zwischen unendlicher Müdigkeit, so mancher kleinen Schreibblockade und meinem unbändigen Wunsch für euch und mich zu schreiben, sitze ich manchmal zwischen den Stühlen. Doch wenn der Text vollendet ist, macht es mich ein wenig stolz.
Schön, dass es euch gibt.

( Bild: Pixabay )

Sternenhimmel

Sterne am Himmel von Wolken umhüllt. Wollen die Sterne sich verstecken oder die Wolken sie einfach verschleiern?
Als Kinder sahen wir zu den Wolken und sahen Tiere und unsere Träume in ihnen fliegen, heute sehen wir sie meist nur als Vorboten des Regens. Sterne faszinierten schon immer. Sie
erleuchten die dunkle Nacht. Die Dunkelheit die vielen ein wenig Unbehagen bereitet. Auch sie lassen sich zu Bildern formen. Ob Sternbilder oder die, die man selbst sich ausmalt.

Wolken sind für uns meist nur noch grau, damals haben wir sie mit Schäfchen verglichen, aber genau betrachtet, sind Schafe auch so weiß nicht.Vielleicht sollten wir öfter wieder zu den Wolken schauen und unsere Fantasie leben lassen oder Sterne zu unseren Bildern malen. Denn die Phantasie ist grenzenlos an Möglichkeiten und hat die schönste Farbpalette.

( Bild: Pixabay )

Liebling

Wenn man der unbestrittene Liebling der Mutter gewesen ist, so behält man fürs Leben jenes Eroberergefühl, jene Zuversicht des Erfolges, welche nicht selten wirklich den Erfolg nach sich zieht.

( Bild: Pixabay Text: Siegmund Freud )

der Fischer

22

Es war einmal an einem See ein Fischer, der hatte eine liebe, liebe Frau und Geld genug, allein er hatte keine Kinder, was ihm sehr leid tat.

Eines Tages ging er hinaus ans Ufer des bläulich-grünen Sees und senkte seine Angel hinunter ins Wasser und pfiff sein Liedchen dabei. Er hatte nicht lange geangelt, da biß ein so ungeheurer Fisch an, daß fast die Schnur abriß.

»Das ist einmal ein fetter Fang,« dachte sich der Fischer und schnellte das Seeungeheuer aufs Trockne heraus. Wie es so dalag, öffnete es sein Maul, fing an zu reden und sprach: »Du hast heute dein Glück in den Händen, wenn du das tust, was ich dir sage. Gib mein Mitterstück deiner Frau und sie wird dir drei Söhne gebären. Gib das Eingeweide deinem Pferde und es wird drei Fohlen dir bringen; den Kopf gib deinem Hunde und er wird drei Junge bekommen, und den Schweif endlich, den grabe im Garten in die Erde und dann werden drei Bäume aus dem Grunde wachsen und grünen und blühen, daß es eine Lust ist. Die drei Bäume werden dann mit den Söhnen, Fohlen und Hunden aufwachsen und wie diese gedeihen. Neigt sich aber einer von den Bäumen, so droht einem deiner Söhne ein Unglück, und wenn einer sich ganz senkt oder gar niederfällt, dann raubt der Tod einen deiner Söhne.«

So sprach der Fisch und blieb dann stumm wie jeder andere. Der Fischer war aber über seinen Zug und diese Kunde hoch erfreut, nahm den Fisch und trug ihn in sein Häuschen, das von Reben bis zum Giebel hinauf übergrünt war. Dort machte er es, wie’s der Fisch gesagt hatte. Er legte ihn auf die Anrichte, schnitt das noch zappelnde Tier auf, nahm das Eingeweide heraus, zerstückelte es und gab das Mitterstück seiner Frau, den Kopf seinem Hunde, das Eingeweide dem Pferde, und den Schweif trug er in den Garten hinaus und grub ihn dort ein.

Es stund nicht lange an und alles ging in schönster Ordnung in Erfüllung. Dem Fischer wurden drei Söhne geboren, die Stute brachte drei Fohlen auf die Welt, die Hündin warf drei schwarz und weiß gescheckte Junge und an der Stelle, wo das Schweiflein vergraben lag, keimten bald drei Pflänzchen, die immer höher und höher wuchsen, bis endlich drei Bäumchen ihre zarten Zweige in den Lüften hin und her wiegten.

Fischer und Fischerin, Söhne und Fohlen, Hündchen und Bäumchen befanden sich ganz wohl und gesund und der Segen des Himmels schien auf ihnen zu ruhen. Das ging lange, lange Zeit so fort.

Wie schon viele Jahre verstrichen waren und ein mal wieder der Frühling kam, fiel es plötzlich dem ältesten der Söhne ein, weiterzuwandern und die schöne Welt zu schauen.

Der alte Fischer hatte gegen dieses Vorhaben seines Sohnes nichts einzuwenden, gab ihm gute Ermahnungen und seinen Segen mit auf den Weg. Der Sohn nahm eines der drei jungen Pferde und einen jungen Hund mit sich und ritt von dannen.

Er war schon eine weite Strecke geritten, hatte manche Abenteuer bestanden und gesehen, daß die Welt kein Ochsenauge sei, als er tief, tief in einen wilden, pechfinstern Wald hineingeriet. Da hatten die dunklen Bäume gar seltsame Gestalten und Käuzlein und Uhu glotzten mit ihren großen, roten Augen gar so fürchterlich von den Föhren auf den schönen Reiter herab, daß es ihm ungeheuer wurde und er sich aus dem Gehölze in das Fischerhaus zurücksehnte. Wie er aber so fürbaß ritt und dem Rosse die Sporen einsetzte, um schneller aus dem unheimlichen Walde zu kommen, verfinsterte sich der Himmel, schwarze Wolken jagten wie losgelassene Hunde am Himmel hin und her und bläuliche Blitze zeichneten ihre Zickzacke auf den dunklen Hintergrund. Der Regen rauschte in Strömen nieder und dem Jüngling blieb nichts übrig, als nach allen Seiten zu spähen und ein Obdach zu suchen.

Er suchte noch nicht lange, da sah er eine Hütte am Wege stehen, stieg von seinem Rappen, band ihn an den nächsten Baum und trat in die Hütte. In dieser wohnte aber zum Unglück eine alte, alte Hexe, der im spitzigen Munde nur mehr ein Zahn wackelte, und wie sie den schönen Reitersmann sah, ging sie ihm entgegen und verwandelte ihn in einen Stein. Dann ging sie vor die Hütte und verzauberte auch das Pferd, daß es leb- und regungslos dastund wie ein Felsblock.

Das erste Bäumchen im Garten des Vaters, das am Morgen des Unglückstages noch frisch und grün war und dessen Zweige in dem Morgenwind sich gar lustig hin und her bewegten, neigte sich abends tief und ließ wie in stiller Trauer seine Zweige niederhangen. Am andern Morgen waren die Blätter gelb und fahl und das Bäumchen lag der Länge nach auf dem Boden dahingestreckt.

Wie die Fischersleute das Bäumchen in diesem Zustande sahen, dachten sie an die Worte des weissagenden Fisches und es ahnte ihnen nichts Gutes. Sie glaubten, daß der Erstgeborne gestorben sei, und weinten vom Abende bis zum Morgen und vom Morgen bis zum Abende wieder. Als aber der zweite Morgen hinter den Bergen aufstieg und der Morgennebel aus dem Tale wich, sattelte der zweite Sohn sein Pferd, empfing von seinen alten Eltern den Segen und machte sich auf den Weg, um den armen verlorenen Bruder zu suchen. Die Eltern sahen ihm vom Söller noch lange, lange nach, und wie sie ihn so in der Ferne verschwinden sahen, wurde es ihnen ums Herz so schwer, als ob ein Zentnerstein d’raufläge und sie den lieben Sohn nicht wieder sehen sollten.

Der zweite Sohn ritt aber schnell durch Feld und Au, daß der Staub aufflog und das Roß dampfte, denn er hatte keine Ruhe, ehe er seinen Bruder finden würde. Als aber die Sonne zur Rüste ging und ihre letzten goldenen Strahlen in das Tal sandte, kam er zum dunklen Forst, in dem die alte Hexe wohnte und sein Bruder versteinert war.

Er besann sich nicht lange und lenkte sein Roß in die finstere Waldung hinein. Er war noch nicht lange geritten, so verfinsterte sich der Himmel, die Nebel huschten wie Gespenster hin und wieder und ein entsetzlicher Regen schien heranzuziehen. Der Reiter setzte seinem Pferde die Sporen ein, daß es sich bäumte, und sprengte in wilder Eile weiter, denn er wollte ein Obdach vor dem Gewitter finden. Es dauerte nicht lange, so kam er zu einer Hütte und er schwang sich vom Pferde und trat in die Behausung. Diese war aber keine andere als die der alten Hexe, und als diese den schmucken Jüngling sah, verzauberte sie ihn und er stand neben seinem Bruder ebenfalls als Stein da.

Am Tage darauf, als es noch früher Morgen war, gingen der Fischer und seine Frau in den Garten, und da hatte sich auch das zweite Bäumchen über Nacht geneigt und als es Mittag war, hatte es sich ganz zur Erde gebeugt und die Blätter waren dürr und rostgelb wie die Eichenblätter im Winter. Den Eltern wurde aber gar traurig um das Herz und sie setzten sich neben dem Bäumchen auf die Rasenbank und hier weinten sie von Mittag bis Mitternacht und von Mitternacht bis wieder Mittag, und als der dritte Tag anbrach, waren ihre Augen noch nicht trocken.

Als aber der dritte Tag anbrach, hatte der jüngste der Brüder sein Pferd gesattelt und gezäumt und wollte von dannen reiten, um seine beiden Brüder zu suchen. Die Eltern wollten ihn aber nicht ziehen lassen, denn sie fürchteten das gleiche Los auch für den dritten, und dann hätten sie kein Kind und keinen Erben mehr gehabt. Er gab nicht nach und bat und flehte, bis er ihren Segen erhielt und ziehen durfte. Froh und kühn sprengte er vom Hause seiner Eltern weg und ritt und ritt, bis er zum Walde kam, in dem seine Brüder verzaubert stunden. Er sprengte auf dem Wege vorwärts in den Forst hinein und war guter Dinge. Da trübte sich plötzlich der Himmel, es wurde dunkel und dunkler und endlich rauschte der Regen in Strömen nieder. Der Fischersohn hätte wohl im Trocknen sein mögen, allein ihm kam es in diesem Walde so unheimlich vor, daß ihm der Boden unter dem Pferde zu brennen schien, und als er das einsame Häuschen sah, in dem die Hexe wohnte, wurde es ihm noch unheimlicher und er sprengte trotz alles Regens spornstreichs in die nächste Stadt.

Wie groß war aber sein Staunen, als er durchs Tor eingeritten war! Die Stadt, die von weitem so stolz und prächtig schien, war still und öde wie ein Grab und die Paläste hatten gar ein düsteres Aussehen, denn sie waren samt und sonders mit schwarzen Tüchern behängt. Und wie die Häuser sahen auch die Leute aus, sie schlichen schwarz gekleidet wie Gespenster durch die weiten, traurigen Straßen und Gassen.

Als der Fischersohn dies sah, war er anfangs verdutzt, doch bald erholte er sich vom ersten Staunen und dachte sich: »Was das Ding zu bedeuten hat, mußt du auch wissen.« Bald begegnete er einem Burschen, der so durch die Gasse einherschlenderte, und fragte ihn, warum die Häuser hier schwarz bekleidet seien.

Der Bursche sah den Fremdling mit großen Augen an und meinte, das sei doch kurios, daß ein Mensch kein Wörtchen vom Drachen wisse, der da oben auf dem Berge wohne. Als der Knabe sah, daß der Reiter sich nicht bloß unwissend stelle, sondern es wirklich sei, erzählte er weiter, daß man täglich dem Drachen einen Menschen vorwerfen müsse, um seinen Hunger zu stillen, und daß heute das Los die schöne Königs tochter getroffen habe. – »Da gibt es eine Gelegenheit, deinen Mut zu zeigen,« dachte sich der Fischersohn und ließ sich den Berg zeigen, wo der scheußliche Drache wohnte und auf seine Beute harrte. Er stieg nun mit Schwert und Lanze den schmalen Felssteig hinan, bis er zu einer alten, grauen Kapelle kam, bei der der siebenköpfige Drache seine Beute zur Mittagszeit holte. Bewaffnet wartete er auf das Untier und empfahl sich dem Schutze Gottes.

Als der Mittag angenaht war, wurde die schöne Königstochter herbeigeführt. Sie war gar traurig und trug ein schwarzes Kleid. Wie sie bei der Kapelle war, kniete sie nieder und betete und große Tränen kugelten über ihre feinen Wangen, denn es kam sie das Sterben gar zu schwer an.

Kaum hatte aber der siebenköpfige Drache sein Opfer entdeckt, so donnerte er auf die Prinzeß los und wollte sie verschlingen. Da schleuderte der Fischersohn seine Lanze auf das Untier und es sank blutend zu Boden und ringelte vor Schmerz sich zusammen. Er war aber nicht träge, eilte herbei, tötete das Untier mit dem Schwerte vollends und riß ihm aus jedem Rachen die Zunge heraus und nahm alle sieben zu sich. Die schöne Königstochter war nun befreit und weinte vor Freude. Sie fand nicht genug Worte, um ihrem Retter zu danken, und gab ihm ihren schwarzen Schleier zum Pfande. Er war darüber hoch erfreut und eilte von dannen, denn er dachte wieder an seine Brüder.

Indessen hatte es den Laternanzünder und den Nachtwächter gewundert, wie es etwa der Königstochter ergangen sei, und sie stiegen zur Kapelle hinan. Wie sie dort angekommen waren und die schöne Prinzeß lebend, den Drachen aber tot fanden, verabredeten sie sich untereinander und machten die Erlöste schwören, daß sie bei ihrem Vater den Laternanzünder als ihren Retter nennen wolle. Die Königstochter tat es, weil sie keine Ausflucht sah, und ging mit dem Laternanzünder in die Stadt und zu ihrem Vater.

Der alte König konnte sich vor Freude nicht fassen, als er seine liebe Tochter noch am Leben sah, und fiel bald ihr und bald dem Laternanzünder um den Hals, denn er glaubte, daß dieser der Erretter sei, weil er die sieben Köpfe des Drachen aufwies.

Der König wußte ihn nicht besser zu lohnen, als wenn er ihn zu seinem Eidame machen würde, und versprach ihm die Hand seiner Tochter. Allein die schöne Prinzeß hatte an diesem Bräutigam gar keine Freude, weil er nicht der rechte war, und war sinnend und traurig. Ihre roten Wangen wurden blässer und ihre Augen blickten nicht so freudig in die Welt wie sonst. Der alte König fragte wohl oft, was ihr fehlte. Allein sie schwieg und war nachdenkend, denn der Schwur lag ihr am Herzen und lähmte ihre Zunge. So verstrichen Wochen auf Wochen, der Tag der Hochzeit brach endlich an und der Laternanzünder sollte König werden.

»Wo war aber indessen der Fischersohn?« fragst du mich, mein Kind.

Nun, der war in den Wald, in dem die Hexe wohnte, zurückgeritten, denn er war ihm so unheimlich vorgekommen, daß er meinte, es müssen dort seine Brüder zugrunde gegangen sein. Er sprengte durch den düstern Föhrenwald, bis er zur Hexenhütte kam, und als er vor der Hütte die steinernen Pferde sah, die er das erstemal in der Eile übersehen hatte, dachte er sich: »Holla, da geht es nicht mit rechten Dingen zu,« und hielt sein Roß an. Er ließ nun die graue, meeralte Hexe herauskommen und drohte ihr, wenn sie ihm die zwei Brüder nicht herausgeben würde, mit dem Tode.

Die schlaue Alte wollte lange von den Brüdern nichts wissen und suchte allerlei Ausflüchte. Als sie aber sah, daß der Reiter das Schwert zog und puren Ernst machen wollte, zog sie ein Fläschchen aus ihrem Sacke hervor und gab es dem Fischersohn.

»Wenn du deine Brüder wieder haben willst, so befeuchte mit diesem Safte die Steine, die du hier siehst,« raunte die böse Alte und schwieg.

Der Fischersohn ließ sich das nicht zweimal sagen, befeuchtete die Steine und der Zauber war gelöst. Die zwei Brüder stunden samt Pferden und Hunden neben ihm und umarmten und küßten ihren Bruder und Retter. Alle drei Brüder waren hocherfreut, schwangen sich auf ihre Pferde und ritten zu den lieben Eltern zurück. Welche Freude diese hatten, als sie ihre drei Kinder wieder sahen, kann man sich vorstellen.

Vater, Mutter und alle drei Söhne waren schon einige Tage beisammen geblieben, da kam dem Jüngsten wieder die schöne Königstochter in den Sinn und es ließ ihn zu Hause nicht mehr stille sitzen. Er sattelte wieder sein Pferd, schwang sich auf dasselbe und ritt, wie sehr ihn auch die Eltern baten, zu Hause zu bleiben, dem Hexenwalde und der Königsstadt zu. Es begegnete ihm auf dem Wege nichts Mißgünstiges und er kam gesund und froh in der stolzen Stadt an. Was für Augen machte er aber, als er durch die schönen Gassen ritt und alle Häuser mit roten Teppichen behängt sah! Die Leute waren auch überall guter Dinge und sangen und tanzten und lachten in die Wette.

Darob neugierig, fragte er ein Mädchen, das ihm mit einer Kanne begegnete: »Was haben diese Festlichkeiten zu bedeuten?«

»Ja,« entgegnete sie, »die Königstochter hat heute Hochzeit mit dem Laternanzünder, der sie vom Tode befreit hat. Deshalb ist heute ein großes Fest in der Stadt und wir freuen uns mit ihr.«

»Da hab ich auch ein Wörtchen dreinzureden,« dachte sich der Fischersohn und ritt schnurstracks zur Königsburg, sprang dort vom Rosse und eilte die silberne Stiege hinauf zum Könige, dem er alles haarklein erzählte.

Der König sagte: »Du mußt dem Laternanzünder gegenüber beweisen, daß du den siebenköpfigen Drachen getötet hast. Bist du dieses zu tun imstande, so wird meine Tochter deine Braut und der andere kommt an den Galgen.« So sprach der König und führte den Fischersohn in ein gar prächtiges Zimmer, das vor Gold und Silber glänzte. Im Zimmer stand aber der stolze Bräutigam und neben ihm saß die traurige Braut, die ihn verächtlich ansah und nach dem Fremdling sich sehnte.

Als der alte König und der Fischersohn eingetreten, lächelte die Prinzeß freundlich, allein sagen durfte sie nichts von wegen des Schwures.

»Beweise,« sprach der König zum Laternanzünder, »daß du meine Tochter gerettet hast, denn dieser, der mir zur Seite steht, leugnet es.«

»Es wird wohl Zeugnis genug sein, daß die sieben Köpfe, die ich dem Drachen abgeschlagen, hier liegen,« antwortete stolz der falsche Bräutigam.

Da ging der Fischersohn hin, öffnete die sieben Drachenköpfe und sagte: »Es sind hier wohl die Köpfe, aber es fehlen die Zungen. Nun sprich du, Herr König! aus, wer von uns der Drachentöter sei. Ich habe die Zungen, dieser da die Köpfe ohne Zungen«.

»Der die Zungen besitzt, hat das Untier erlegt und soll mein Sohn sein,« entschied der alte König.

Der Fischersohn zeigte nun die Zungen und den schwarzen Schleier vor und wurde als der Drachentöter erkannt. Der Königstochter fiel nun der Stein vom Herzen und sie wurde noch in derselben Stunde mit dem stattlichen Ritter getraut. Der Laternanzünder wurde aber wegen seines Betruges noch am nämlichen Tage erhängt und hängt noch, denn er wurde noch nie herabgenommen.

( Bild: Pixabay Text: IGNAZ & JOSEF ZINGERLE )