Eric Fried

Wenn ich dich küsse
ist es nicht nur dein Mund
nicht nur dein Nabel
nicht nur dein Schoß
den ich küsse
Ich küsse auch deine Fragen
und deine Wünsche
ich küsse dein Nachdenken
deine Zweifel
und deinen Mut
deine Liebe zu mir
und deine Freiheit von mir
deinen Fuß
der hergekommen ist
und der wieder fortgeht
ich küsse dich
wie du bist
und wie du sein wirst
morgen und später
und wenn meine Zeit vorbei ist

( Bild: Pixabay Text: Eric Fried)

Insel der Gefühle

Vor ganz langer Zeit existierte eine wunderschöne kleine Insel,
auf der alle Gefühle der Menschen zu Hause waren:
Der Humor und die gute Laune, die Traurigkeit und die Einsamkeit, das Glück
und das Wissen und all die vielen anderen Gefühle. Natürlich lebte auch die Liebe dort.
Eines Tages wurde den Gefühlen jedoch ganz überraschend mitgeteilt, dass die Insel
sinken würde. Also machten alle ihre Schiffe seeklar, um die Insel zu verlassen. Nur die
Liebe wollte bis zum letzten Augenblick warten, denn sie hing sehr an ihrer Insel.
Bevor die Insel sank, bat die Liebe die anderen um ihre Hilfe. Als der Reichtum auf einem sehr luxuriösen Schiff die Insel verließ, fragte die Liebe: „Reichtum kannst Du mich mitnehmen?“ „Nein, ich kann nicht. Auf meinem Schiff habe ich sehr viel Gold,
Silber und Edelsteine. Da ist kein Platz mehr für Dich.“
Also fragte die Liebe den Stolz, der auf einem wunderbaren Schiff vorbeikam.
„Stolz, bitte kannst Du mich nicht mitnehmen?“
„Liebe, ich kann Dich nicht mitnehmen“, antwortete der Stolz, „hier ist alles so perfekt und Du könntest mein schönes Schiff beschädigen.“
Als nächstes fragte die Liebe die Traurigkeit. „Traurigkeit, bitte nimm mich mit!“
„Oh Liebe“, sagte die Traurigkeit, „ich bin so traurig, dass ich allein bleiben muss.“
Als die gute Laune losfuhr, war sie so zufrieden und ausgelassen, dass sie nicht einmal
hörte, dass die Liebe sie rief. Plötzlich rief eine Stimme:
„Komm´ Liebe, ich nehme Dich mit“
Die Liebe war so dankbar und so glücklich, dass sie ganz und gar vergaß,
ihren Retter nach seinem Namen zu fragen.

Später fragte die Liebe das Wissen: „Wissen, kannst Du mir vielleicht sagen, wer es war,
der mir geholfen hat?“ „Ja sicher,“ antwortete das Wissen, „es war die Zeit.“
„Die Zeit?“, fragte die Liebe erstaunt, „warum hat mir die Zeit denn geholfen?“
Das Wissen antwortete:
„Weil nur die Zeit versteht,
wie wichtig die Liebe im Leben ist.“

( Bild: Pixabay Text: Unbekannt)

Armut

Keine faktische oder konstituierte Macht hat das Recht, den armen Ländern die volle Ausübung ihrer Souveränität abzuerkennen, und wenn es dennoch geschieht, sehen wir neue Formen von Kolonialismus, welche die Möglichkeiten zu Frieden und Gerechtigkeit ernsthaft schädigen, denn „Grundlagen des Friedens sind nicht nur die Achtung der Menschenrechte, sondern auch der Respekt vor den Rechten der Völker, insbesondere dem Recht auf Unabhängigkeit“

( Bild: Pixabay Text: Franziskus)

Jugenderinnerung

Ich wollte nicht, dass ihr jemand so weh tut. Da hab ich sie gestreichelt. Später wieder. Einfach nur das Gesicht gestreichelt. Ich wusste, ihr Verlangen nach mir wuchs, meines nicht. Nur als mal ihre weichen Lippen anfangen wollten meinen Finger zu liebkosen, hab ich gemerkt, dass es die Begierde zu einem Kuss wecken könnte und ich zog meinen Finger weg. Es war eine Vertrautheit da, ja, aber sie hat sich angefühlt wie freundschaftliche Vertrautheit. Einmal hab ich ihr auch gesagt, dass ich sie immer lieben werde. Es stimmt. Es hat sich nur die Form der Liebe geändert. Es wurde freundschaftliche Liebe, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Ich glaube nicht wirklich, dass, als ich mit ihr zusammen war, ich sie mit ganzem Herzen geliebt habe. Es war Liebe im Spiel, ja, aber ich denke, größtenteils war es Begierde, Verehren, Hingabe und wahrscheinlich Schwärmen. Als ich ab und zu bei ihren Freunden war, kam es, als hätte sich so was Ähnliches entwickeln können. Begierde und Verlangen war schon da. Eine gewisse Vertrautheit auch. Nur ich wusste, dass es nie wirkliche Liebe hätte werden können. Wenn man Spaß miteinander hat, sich mag und man Verlangen aufeinander hat, also eine körperliche Hingabe besteht, so kann es wohl Lust sein und Lust kann zu Liebe werden, kann, ist aber selten der Fall. Diese „Schwärmerei“ repräsentiert sozusagen das „Verliebt-sein“, ist von der wahren Liebe jedoch weit entfernt. Wahre Liebe, sie entsteht durch Verstehen, Vertrauen, Vertrautheit, Offenheit, absolute Wahrheit, zu jeder Zeit Für-einander-da-sein, Brauchen, Wärme und Geborgenheit.

Wenn man Kribbeln im Bauch hat, dann heißt das nicht gleich, dass man denjenigen liebt, es heißt, dass einem das gefällt, was im Moment geschieht. Die Liebe ist nicht für den Moment. Liebe entwickelt sich. Liebe lässt einen nicht einfach so im Stich, Liebe regt einem zum kämpfen an. Liebe beruht auf Gegenseitigkeit, ansonsten bleibt es Schwärmerei. Denn die Liebe, sie ist durstig nach Liebe. Wenn man sich gegenseitig liebt, dann wächst sie. Wenn der eine aufhört zu lieben, dann verweht die Liebe des anderen. Bekommt die eine Liebe einen Knick, dann färbt dieser Knick auf die andere Liebe ab. Nur gemeinsam schaffen sie diesen Knick zu beseitigen. Ist die eine Liebe jedoch zu schwach, so bleibt der Knick und wird vermutlich größer, bis das Herz bricht. Liebe ist sehr zerbrechlich. Sie fordert viel. Ohne ein geeignetes Gegenstück bleibt Schwärmerei Schwärmerei und kann keine Liebe sein.

( Bild: Pixabay)

 

Glück

Vielleicht sollten wir manchmal einfach das tun, was uns glücklich macht und nicht das , was am Besten ist! Vielleicht sollten wir manchmal einfach das tun, wonach uns ist und nicht das, was andere von uns erwarten! Vielleicht sollten wir manchmal einfach das tun was unser Gefühl uns sagt und nicht das, was für die Gefühle der anderen das Beste ist. Vergangenheit ist Geschichte, die Zukunft ein Geheimnis und jeder Augenblick ein Geschenk

( Bild: Pixabay)

Verloren

Jeder von uns fühlte sich in seinem Leben schon einmal verloren. Immer dann, wenn wir den Halt verlieren. Wenn niemand da ist, der uns stützt. Wenn unsere Hand, die nach Hilfe sucht ins Leere greift. Oftmals sind es die großen Schicksalsschläge die uns so verloren machen. Tod, Krankheit, Trennung, Schulden oder der Verlust des Arbeitsplatzes.

Und dann war da gestern diese junge Frau. Ihr erster Arbeitstag an der Kasse im Rasthof irgendwo kurz vor Hamburg.

Sie: viel zu aufgeregt,
die Kasse: viel zu kompliziert,
die Schlange mit hungrigen und ungeduldigen Menschen: viel zu lang.

Und plötzlich fühlte sie sich verloren.
Auch ohne Tod, ohne Krankheit.

Ich meine, niemand sollte diese Situation belächeln denn dieses Gefühl dieser jungen Frau war ehrlich und authentisch.

Als ich sie so sah, vielen mir Worte von Demokrit ein:

„Das Glück wohnt nicht im Besitze
und nicht im Golde. Das Glücksgefühl ist
in der Seele zu Hause. „
Und ich ergänze: „ das Unglück auch“

( Bild: Pixabay Text: Blogkarussell)

 

Naturkräfte

Die Menschen haben es jetzt in der Beherrschung der Naturkräfte so weit gebracht, daß sie es mit deren Hilfe leicht haben, einander bis auf den letzten Mann auszurotten. Sie wissen das – daher ein gut Stück ihrer gegenwärtigen Unruhe, ihres Unglücks, ihrer Angststimmung. Und nun ist zu erwarten, daß die andere der beiden „himmlischen Mächte“, der ewige Eros. eine Anstrengung machen wird, um sich im Kampf mit seinem ebenso unsterblichen Gegner zu behaupten.

Bild: Pixabay Text: Siegmund Freud Teilen und kopieren nur mit Quellenangaben)