VON BRÜCKEN UND MAUERN

Vor einiger Zeit fiel mir eine Überschrift besonders ins Auge:

 

„Papst Franziskus empfängt die Trump-Familie“

 

Wow, dachte ich mir. Die zwei größten Populisten stoßen aufeinander. Und obwohl ich kein glühender Verehrer der katholischen Kirche im Allgemeinen und Papst Franziskus im Speziellen bin, wage ich zu behaupten, dass Donald Trump der böse und Papst Franziskus der gute Populist ist.

 

Unterschiedlicher können zwei Menschen kaum sein. Der eine baut von Amts wegen Brücken (Pontifex maximus, was übersetzt „oberster Brückenbauer“ heißt).

Und der andere träumt von einer Mauer zwischen den USA und Mexiko.


Böse Populisten erkennt man daran, dass sie immer einen Sündenbock brauchen, um ihnen ihre eigene Inkompetenz in die Schuhe schieben zu können und zum anderen vereinfachen sie die kompliziertesten Sachverhalte, nur um bei den Zuhörern gut anzukommen.

 

Gute Populisten erkennt man wiederum daran, dass sie die unterschiedlichsten Strömungen im Auge behalten und letztendlich auf Grundlage des Gehörten und Gelesenen eine Entscheidung treffen.

 

Der böse Populist streitet den Klimawandel ab und hält sie für eine Erfindung der bösen Chinesen.

 

Der gute Populist (mit Chemieabschluss) spricht vor den Vereinten Nationen und warnt eindringlich vor den möglichen Folgen der Klimaveränderung.

 

Der gute Populist, zu denen meiner Meinung auch Trumps ehemaliger Kontrahent Bernie Sanders gehört, brauchen keine Sündenböcke und erst recht keine Feindbilder, um ihre Aussagen wirken zu lassen.

 

„Feindbilder“, wieder so ein Wort. Was eigentlich sind Feindbilder?

Feindbilder sind, so glaube ich, Personengruppen, die am einfachsten zu „entschlüsseln“ sind. Also: Schwarze, Moslems, Arme, Reiche, Mexikaner, die Presse. Praktisch ist es, dass diese Gruppen auch gleichzeitig die Sündenböcke sind.

Wie war das noch vor der Reise Trumps nach Saudi-Arabien? Frieden wollte er stiften. Innerhalb weniger Tage. Quasi im Handumdrehen. Womit kam er zurück? Mit einem riesigen Rüstungsgeschäft. Trump ist eben doch mehr ein Geschäftsmann.

 

Schuld an dem offensichtlichen Misserfolg der Saudi-Arabien-Reise waren natürlich die Iraner und wenn er zurück auf amerikanischem Boden ist, waren es wohl auch wieder die Mexikaner und die Chinesen. Und so schließt sich der Kreis.

 

Wirklich Schade, dass es weder von Trump noch von Papst Franziskus ein Feedback zum Aufeinandertreffen gab.

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