Der geliebte Feind

„16 jähriger schlug seiner ehemaligen Sandkastenliebe den Schädel ein – Motiv völlig unklar“
Diese Meldung tauchte vor einiger Zeit im Lokalteil einer süddeutschen Tageszeitung auf.
So unscheinbar diese Meldung auch scheinen mag. So erschreckend und unglaublich sind die Hintergründe. Immer wieder hören wir von scheinbar tiefen und langjährigen Freundschaften, die urplötzlich im tiefen Hass enden.
Auch wenn Ermittlungen im privaten Umfeld der beiden immer wieder zu dem Ergebnis kamen, dass beide langjährige Freunde waren, kam es zu dieser unvorstellbaren Bluttat. Denn was niemand auch nur erahnte: das Gefühl der Freundschaft ging nur vom späteren Opfer aus. Der Täter empfand seit Jahren nur tiefen Hass.
Soziologen haben einen Namen für derartige Phänomene: „Frenemies“. Ein Wortspiel aus den englischen Wörtern friend ( Freund ) und enemy ( Feind ). Und obwohl dieses Problem schon so alt ist wie die Menschheit selbst, wird es erst seit wenigen Jahren wissenschaftlich untersucht.
Was man bisher herausgefunden hat ist, dass die Anzahl der Frenemies in den letzten Jahren drastisch zugenommen hat. Das mag am wachsenden Sozialneid, an den immer häufiger wechselnden Freundeskreisen und dem digitalen Fortschritt liegen. Die Cyberwelt gibt vielen Menschen, insbesondere den jungen deutlich größere Sicherheit als die analoge Welt.
Insbesondere bei Menschen zwischen 13 und 25 tauchen Frenemies sehr häufig im Freundeskreis auf, was daran liegen mag, dass hier Trends, Hobbys und eben auch Freundschaften manchmal binnen Monaten wechseln. Außerdem weiß man, dass Jugendliche wesentlich vertrauensseliger sind als ältere Menschen.


Leider ist es nicht einfach, einen Frenemy in seinen Reihen als solchen zu identifizieren. Sie verbergen sich oft in den dichten Reihen unserer Freunde und haben, wenn sie überhaupt entdeckt werden, schon eine Menge Schaden angerichtet.
Sie streuen Gerüchte über uns, Missbrauchen unser Vertrauen, verraten unsere Schwächen und unternehmen alles, um uns ins schlechte Licht zu stellen.
Wir wissen mittlerweile, dass hier Neid und Missgunst eine große Rolle spielen. Frenemies haben deutlich weniger soziale Kontakte als ihre Opfer und fühlen sich oft ausgegrenzt.
Doch was machen, wenn wir einen Frenemy in unserem Freundeskreis entdeckt haben? Ihn bekehren, zur Rede stellen, die offene Konfrontation suchen? Psychologen sagen, dass es viel schwieriger ist, einen Frenemy wieder loszuwerden, als ihn zu entdecken. Schließlich kann man sich ja getäuscht haben und wenn nicht, gibt man ungerne zu, sich in einem Menschen so geirrt zu haben.
Der Kontakt zu der betreffenden Person sollte sofort abgebrochen werden. Keine Anrufe, kein Treffen, keine Mails, keine Aussprache. So schmerzlich dies auch scheinen mag. Wichtig ist es, dem identifiziertem Frenemy keine Angriffsfläche zu bieten. Dies kann als offene Kriegserklärung verstanden werden und lebensbedrohlich werden. Vom Frenemy zum Stalker ist es oft nur noch ein kleiner Schritt…

Bild: Pixabay Text: Blogkarussell

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